randlinie
randlinie Ihr Experte - Hans Ruoff Angebotcleartext - Die Schreibwerkstatt randlinie
zwischenlinie

Gedanken sortieren

 

Die Wege ins Noch-Steuerparadies Schweiz sind oft verschlungen. Dies färbt sogar auf die Akten ab. Dieser Newsletter lichtet den Dschungel - für die Akten, nicht für die Gelder. Dafür ganz ohne Steinbrücks Kavallerie.


Dschungelkönig des Monats

Die – zugegebenermaßen - selbst auf einen deutschen Steuerfahnder ungewöhnlich unverblümt, frappierend offen und gleichgültig geschäftsmäßig wirkende Strategievorgabe der Credit Suisse zu Ausbildungszwecken irritiert weniger durch die angestrebte Produktofferte (Hilfestellung zur wirkungsvollen Kaschierung von Schwarzgeld über „offizielle“ Konteneinrichtungen) als vielmehr durch die „historisch bedingte“ Selbstverständlichkeit der Betreuung von „Schwarzgeldkundschaft“ aus Deutschland in diesem eingestandenen Umfang von 88 Prozent der Anlegermasse.
(Aus einem Aktenvermerk der Staatsanwaltschaft Wuppertal, abgedruckt in der Süddeutschen Zeitung)

Das versteht niemand. Der Protokollant hat zwei Stränge ineinander verwoben, die Aktion der Bank und die Einschätzung der deutschen Steuerfahnder. Das Ergebnis ist ein Monstersatz mit 58 Wörtern.

Trennen wir also die Stränge. Erstens: Die Credit Suisse bildet ihre Leute dazu aus, deutsches Schwarzgeld zu verstecken. Sie schreibt: Dies ist Tradition, fast alle deutschen Einlagen sind Schwarzgeld. Zweitens: Die deutschen Steuerfahnder sind schockiert. Weniger wegen des Angebots, sondern wegen der Kaltschnäuzigkeit, mit der die Bank ihr Vorgehen zur Selbstverständlichkeit erklärt.

Jetzt setzen wir das Ganze wieder zusammen. Also vielleicht so:

Die Credit Suisse hat für ihre Auszubildenden eine Strategievorgabe erstellt, wie „Schwarzgeldkundschaft“ aus Deutschland zu beraten sei. Demnach sollen die Mitarbeitenden den Kunden dabei helfen, Schwarzgeld über „offizielle“ Konteneinrichtungen zu kaschieren.

Diese Vorgabe wirkt selbst auf einen deutschen Steuerfahnder ungewöhnlich unverblümt, frappierend offen und gleichgültig geschäftsmäßig. Dabei irritiert weniger das Angebot, deutsches Schwarzgeld zu verstecken. Viel irritierender ist: Die Bank nennt dies eine „historisch bedingte“ Selbstverständlichkeit. Und sie gibt zu:
88 Prozent der deutschen Anlagen in ihrem Haus sind Schwarzgeld.

Aus einem Satz wurden sechs, und das Ganze ist deutlich länger geworden. Diesen Preis bezahle ich gerne. Denn im Gegenzug steigt die Chance, dass Leser diesen Text auf Anhieb verstehen.


Den Satzdschungel roden – so kann es klappen:

Sortieren Sie, ehe Sie zu schreiben beginnen. Trennen Sie zunächst die Teilthemen: Sachverhalt und Beurteilung; Position und Gegenposition; Vergangenheit und Gegenwart.

Bürden Sie Ihren Sätzen nicht zu viel auf. Gehen Sie schrittweise vor, geben Sie jedem Teilaspekt einen eigenen Satz. Unterbrechen Sie den Hauptsatz nicht durch eingeblockte Zusatzinformationen in einem Nebensatz oder in Klammern. Dies bremst den Lesefluss.

Lassen Sie sich nicht beirren, wenn eine Textpassage dann länger wird. Stopfsätze wie bei der Credit Suisse wären kein Ausweg. Der Leser muss sie zwei Mal lesen, oder ein Teil der Informationen geht verloren. Vielleicht ärgert sich der Leser dann – auch über Sie.


zurück zur Übersicht

Mehr zu diesem Thema

Diätkandidat des Monats

Deutschland ist stark, aber nicht stark genug, um sich eine vollständige Isolation in der Euro-Gruppe erlauben zu können. (…)

Und dass die allenthalben vorhandene Häme über die deutsche Niederlage, teilweise nur schlecht getarnt hinter bemühten Solidaritätsbekundungen, mit den Händen zu greifen war, zeigt das ganze Ausmaß des politisch-psychologischen Flurschadens, den die bisherige deutsche Euro-Rettungspolitik im europäischen Süden – Austerität, Massenarbeitslosigkeit, wirtschaftliche Depression – mittlerweile mit sich gebracht hat.
(Ex-Außenminister Joschka Fischer in einem Gastkommentar in der Süddeutschen Zeitung vom 13. Juli)

Ein Satz-Menü aus 50 Wörtern: zunächst ein dass-Nebensatz, unterbrochen durch einen Einschub. Ende der dritten Zeile dann der Hauptsatz „zeigt das ganze Ausmaß …“. Dann ein weiterer Nebensatz, der wieder durch einen Einschub unterbrochen ist.

Inhaltlich verknüpft der Satz drei Themen: 1. Reaktionen auf Merkels Niederlage beim EU-Gipfel im Juni; 2. wie der Autor dies einschätzt; 3. seine Sicht der aktuellen Lage in Südeuropa.
Die Lösung: Entwirren Sie die Gedankenstränge. Vielleicht so:

Die allenthalben vorhandene Häme über die deutsche Niederlage war mit den Händen zu greifen, teilweise nur schlecht getarnt hinter bemühten Solidaritätsbekundungen. Dies zeigt das ganze Ausmaß des politisch-psychologischen Flurschadens, den die deutsche Euro-Rettungspolitik in Südeuropa angerichtet hat:
Austerität, Massenarbeitslosigkeit, wirtschaftliche Depression.

Die Reihenfolge der Themen bleibt erhalten. Einige Füllwörter habe ich gestrichen. Ergebnis: drei Sätze mit 21, 18 und vier Wörtern. In der Summe sind es 43, der Text wurde also kürzer.


Fette Sätze auf Diät setzen – so kann es klappen:

Laden Sie nicht alles auf einen Teller. Geben Sie jedem Aspekt einen eigenen Satz. Zerreißen Sie Sätze nicht durch Nebensätze. Diese Schachtelsätze bremsen den Lesefluss. Stellen Sie Zusatzinformationen nach hinten. Oder in einen separaten Hauptsatz.


Die Auflösung aus dem Juni-Newsletter

Diesen Satz des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann hatte ich Ihnen im Juni als kleine Testaufgabe angeboten:

Angesichts der wachsenden Verunsicherung muss die Politik Klarheit schaffen, wohin die Reise geht: zurück zu einer Währungsunion wirklich eigenverantwortlicher Staaten oder in eine stärker integrierte Union, die in eine Politische Union münden mag, aber selbst in der Basisausführung einer Fiskalunion einen substanziellen Souveränitätsverzicht erfordert, um ein solides Fundament für eine Stabilitätsunion zu gewährleisten.

Meine Lösung hatte ich Ihnen für heute versprochen. Voilà:

Angesichts der wachsenden Verunsicherung muss die Politik Klarheit schaffen, wohin die Reise geht: zurück zu einer Währungsunion eigenverantwortlicher Staaten oder vorwärts in eine stärker integrierte Union. Bei dieser „Union Plus“ ist unerheblich, ob sie später in eine Politische Union mündet.
Denn selbst in der Basisversion einer Fiskalunion müssen die Mitgliedstaaten einen Teil ihrer Souveränität abgeben, damit die Stabilitätsunion ein festes Fundament bekommt.


zurück zur Übersicht

Mehr zu diesem Thema

Diätkandidat des Monats

Die beiden 1992 für die Synagoge in Stommeln bei Köln entstandenen und vom Künstler nach Kolumba translozierten Korthenstahl-Winkel The Drowned and the Saved (Die Untergegangenen und die Geretteten) von Richard Serra, die sich im aneinander Fallen stützenden Halt schenken, verklammern an diesem Aufstellungsort in der bis auf die Außenmauern zerstörten ehemaligen gotischen Sakristei über einer großen Gruft mit den gesammelten Gebeinen der über Jahrhunderte in der Kirche Begrabenen Vergangenheit und Gegenwart im Bild des aufeinander angewiesen Seins.“ 

Dieser Erklärtext packt alles in einen Satz. Niemand versteht das auf Anhieb. Kleine Dosen wären bekömmlicher. - Also vielleicht so:

Die beiden Korthenstahl-Winkel stützen sich gegenseitig. Jeder für sich würde fallen, so aber geben sie einander Halt. Richard Serra schuf die Skulptur 1992 für die Synagoge in Stommeln bei Köln und nannte sie The Drowned and the Saved: Die Untergegangenen und die Geretteten. Später brachte er die Skulptur hierher nach Kolumba.

Hier steht sie unter freiem Himmel, in der ehemaligen Sakristei, die bis auf die gotischen Mauern im Krieg zerstört wurde. Serras Bogen überspannt eine Gruft mit den Gebeinen der in Jahrhunderten in der Kirche Begrabenen. Hier verklammert die Skulptur Vergangenheit und Gegenwart - als Bild des aufeinander angewiesen Seins.

Informationen portionieren – so kann es gehen:

Klare Texte entstehen im Kopf: Was ist die Kernaussage? Was kommt ergänzend dazu? Welche Bereiche oder Zeitebenen gibt es? - So kann ich auch vorgehen, wenn ich einen verunglückten Text überarbeite.

In unseren Fall ist die Kernaussage geteilt: Die beiden Korthenstahl- Winkel schenken sich im aneinander Fallen stützenden Halt – und verklammern Vergangenheit und Gegenwart im Bild des aufeinander angewiesen Seins. Dazu kommen Titel, Künstler und zwei Orte. Das Ganze auf drei Zeitebenen, von der Gotik über 1992 bis heute.

Dieses komplexe Puzzle setze ich neu zusammen. Ich beginne im Hier mit Teil eins der Kernaussage. Dann Rücksprung auf Entstehung, Künstler und ersten Standort. Dann wieder zurück zum heutigen Standort, mit Rücksprung auf dessen Geschichte. Dann kommt der zweite Teil der Kernaussage, als Fazit. Damit schließe ich den Bogen.

Orientiert habe ich mich an den Regeln des verständlichen Schreibens: Jeder Gedanke bekommt einen eigenen Satz. Zwei kurze Sätze sind besser als ein langer. Und: Erst der Hauptsatz, dann der Nebensatz.


zurück zur Übersicht

Mehr zu diesem Thema

Drechselmeister des Monats

Seitdem Onkel Ataúlfo mich seinem Neffen vorgestellt hatte, der mit seinem Abschluss am M.I.T. als As der Familie Lamiel galt, war mir dieser Siegertyp, der mich Onkel nannte, obwohl ich es nicht war, denn er war Ataúlfos Neffe über den anderen Zweig der Familie, etwas unsympathisch erschienen; er redete zu viel, und das mit einem unerträglichen Unterton.“ 

Einen schönen Satz hat er da gezaubert, Herr V. aus P. So schön, dass man ihn zwei Mal lesen mag. Oder muss, denn auf Anhieb dürfte kaum jemand dieses gedrechselte Kunstwerk verstehen. Drei Geschichten in einem Satz, das kann nicht gutgehen. - Stattdessen also vielleicht so:

Onkel Ataúlfos Neffe hatte einen Abschluss am M.I.T. und galt deshalb als As der Familie Lamiel. Mich nannte er Onkel. Dabei war ich es überhaupt nicht, denn er war Ataúlfos Neffe über den anderen Zweig der Familie. Mir war dieser Siegertyp von Anfang an etwas unsympathisch erschienen; er redete zu viel, und das mit einem unerträglichen Unterton.“ 

Dem Leser dienen – so kann es gehen:

Das Prinzip ist einfach: analysieren – aufteilen – formulieren. Analysieren heißt: Wie viele Geschichten enthält mein Satz? Drei: der Werdegang des Neffen und dessen Position in der Familie; der Verwandtschaftsgrad und die falsche Anrede; das Gefühl des Autors gegenüber diesem jungen Mann.


Aufteilen: Jede Geschichte bekommt einen eigenen Satz, die zweite sogar zwei Sätze. Formulieren: Ich gieße die drei Geschichten in abgeschlossene Sätze. Diese kommen ohne Verschachtelungen aus und sind kürzer als der Ausgangssatz mit seinen 49 Wörtern. Jetzt sind es vier mit 18, 4, 17 und 10 Wörtern. In der Summe 49, wir sind also nicht länger geworden.


Orientiert habe ich mich an Grundregeln des verständlichen Schreibens:
Jeder Gedanke bekommt einen eigenen Satz. Zwei kurze Sätze sind besser als ein langer. Und: Erst der Hauptsatz, dann der Nebensatz.

Die Obergrenze für einen verständlichen Satz ziehe ich bei 20 Wörtern. Jenseits dieser Marke geht es mit der Lesefreundlichkeit und der Verständlichkeit schnell bergab. Besser, Sie machen dann zwei Sätze.


zurück zur Übersicht

Mehr zu diesem Thema

Gruseltext des Monats

"Mag die Aufklärung den menschlichen Geist an sich faszinieren und beeinflussen, so hat sie jedenfalls nicht alle Kulturen des Globus erfasst. Denn überall da, wo religiös oder magisch definierte Weltanschauungen ihre Dominanz über weite Teile des Lebens ausüben und wo mithin die Deutungshoheit über das praktische
Tun keinen oder wenig Spielraum lässt für individuelle Standpunkte, Erkenntnisse und Perspektiven, begegnet man dieser Ausprägung westlicher Zivilisation mit Widerstand, ja mit Verbot. (...) Dabei dürfte es mit der Nachfrage, ob und warum andere Kulturen der Welt keine andere, keine dem westlichen Sonderweg vergleichbare Entwicklung genommen haben, nicht sein Bewenden haben."

(Und einige Kapitel später): "Warum die schottische Aufklärung, beruhend auf der Verknüpfung eines die egoistischen Neigungen des Individuums befördernden Utilitarismus mit einer religiös fundierten Morallehre und erfüllt von technologischer Innovationsbereitschaft, eine derartige Wirkung zu entfalten vermochte, wird auf eine Kumulation verschiedener Ursachen zurückgeführt."

Die Aufklärung wollte Licht ins Dunkel des menschlichen Daseins bringen, wollte Pfade schlagen durch das Dickicht des Unverständlichen und des scheinbar Schicksalhaften. Klare Gedanken sind das A und O auf diesem Weg, und klare Sätze sind ihre wichtigsten Spediteure. Also vielleicht so: 

Mag die Aufklärung den menschlichen Geist an sich faszinieren und beeinflussen - alle Kulturen dieser Welt hat sie jedenfalls nicht erfasst. In einigen begegnet man dieser Ausprägung westlicher Zivilisation mit Widerstand, ja mit Verbot: überall da, wo religiös oder magisch definierte Weltanschauungen weite Teile des Lebens beherrschen. Deren Deutungshoheit lässt dem Einzelnen kaum Spielraum für eigene Standpunkte, Erkenntnisse und Perspektiven. (...) Dabei dürfte es nicht ausreichen zu fragen, warum sich diese Kulturen anders entwickelt haben als der Westen.

Die schottische Aufklärung hat eine komplexe Grundlage: ein in der Konsequenz egoistisches Nützlichkeitsdenken, verknüpft mit einer religiös fundierten Morallehre und erfüllt von Aufgeschlossenheit für den technischen Fortschritt. Für die große Wirkung dieser Weltanschauung sehen Wissenschaftler ein Bündel von Ursachen.
   
Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es:

Der erste Satz ist im Prinzip in Ordnung, nur das "so" ist etwas irritierend. Ich goss den Gegensatz in eine Gedankenstrich-Konstruktion mit einem "jedenfalls". Der zweite Satz hat es in sich. Die Grundaussage lautet: In einigen Teilen der Welt werden die Prinzipien der Aufklärung angefeindet. Doch dieses "In einigen Teilen der Welt" erscheint in einer "überall-da,-wo"-Schachtelkonstruktion.
Die Hauptaussage "begegnet man dieser Ausprägung westlicher Zivilisation mit Widerstand, ja mit Verbot" rückt dadurch im Satz weit nach hinten. Zu weit.

Ich formuliere zunächst die Hauptaussage. Dann kommt nach dem Doppelpunkt das "wo", und dann in einem dritten Satz die Konsequenz für die Menschen. Der "Dabei-dürfte-es-mit-der-Nachfrage"-Satz ist ebenfalls ein Schachtelsatz. Auch hier bringe ich zunächst die Hauptaussage und dann den Nebensatz.

Der dritte Textteil ist besonders vertrackt. Der Satzkern ist: (Es) wird auf eine Kumulation verschiedener Ursachen zurückgeführt. Das "Es" erscheint als Frage: Warum konnte die schottische Aufklärung eine derartige Wirkung entfalten? Und in diese Frage ist eine lange Definition eben dieser Weltanschauung eingebettet.

Ich gehe die Sache schrittweise an. Zunächst bringe ich die Definition - mit einer Deckelformulierung "hat eine komplexe Grundlage". Damit habe ich einen abgeschlossenen kurzen Hauptsatz. Die Details folgen als Aufzählung. In einem zweiten Hauptsatz bringe ich die ursprüngliche Kernaussage - als Aktivsatz.

Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:

  • Jeder zentrale Gedanke bekommt einen eigenen Satz
  • Erst der Hauptsatz, dann der Nebensatz
  • Aktiv ist (meist) besser als Passiv - es macht den Akteur sichtbar
  • Menschen ("... dem Einzelnen ...") machen einen Text anschaulich

PS: Falls Sie sich an diesem Gruseltext die Zähne ausgebissen haben: Auch für mich war er einer der schwierigsten seit Bestehen des cleartext-Newsletters.


Tipp des Monats:

In meinen Seminaren sage ich: Wörter aus dem Leben bringen Leben in den Text. - Was meine ich damit? Mit einem Text muss ich eine Brücke zum Leser schlagen. Das ist einfach, wenn ich über Dinge schreiben, von denen jeder von uns ein Bild hat: Schwimmbad, Verkehrsstau, Schlussverkauf. Schwieriger ist es, wenn ich über Abstraktes schreibe - etwa über das Thema Aufklärung.

Anschaulich werden solche Texte, wenn ich abstrakte Begriffe vermeide und stattdessen lebensnahe Wörter verwende. Und wenn ich Menschen einbaue.

Statt "ihre Dominanz ausüben" schreibe ich "beherrschen". Aus einem "die egoistischen Neigungen des Individuums befördernden Utilitarismus" wird "ein in der Konsequenz egoistisches Nützlichkeitsdenken", und aus "technologischer Innovationsbereitschaft" "Aufgeschlossenheit für den technischen Fortschritt".

Dazu kommen die Menschen: Das "wo die Deutungshoheit über das praktische Tun keinen oder wenig Spielraum lässt für individuelle Standpunkte ..." wird bei mir zu "Deren Deutungshoheit lässt dem Einzelnen kaum Spielraum für eigene Standpunkte ...". Und aus dem anonymen "wird auf eine Kumulation verschiedener Ursachen zurückgeführt" mache ich "... sehen Wissenschaftler ein Bündel von Ursachen." - Mit dem Aktiv bringe ich Menschen in den Text.

 


cleartext zum Mitmachen

"In welcher Weise und mit welchem Nachdruck setzt sich die Bundesregierung gegenüber Russland dafür ein, dass eine Reihe von Gefangenen, deren Verhaftung offensichtlich politisch motiviert war und bei deren Prozessen es zu schwerwiegenden Verstößen gegen die russische Strafprozessordnung kam, wie der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Ölkonzerns Jukos, Michail Chodorkowski,
der vor genau fünf Jahren wegen Steuerhinterziehung und Betrug zu acht Jahren Haft verurteilt wurde, jetzt mit einer neuen Klage konfrontiert ist, die im abgelegenen ostsibirischen Tschita verhandelt werden soll, und dessen Gesuch auf vorzeitige Haftentlassung abgelehnt wurde, ebenso wie die ehemalige Jukos-Mitarbeiterin Swetlana Bachmina, die zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt und
deren Gesuch auf Haftentlassung ebenfalls abgelehnt wurde, obwohl sie von der Gefängnisadministration positiv beurteilt wurde, zwei minderjährige Kinder hat und hochschwanger ist, wie Platon Lebedew, ehemaliger Bankdirektor von Menatep, der seit Juli 2003 inhaftiert und schwer krank ist, ebenso wie der an HIV erkrankte ehemalige Jukos-Mitarbeiter Wassily Alexanian und die beiden Physiker Igor Sutjagin und Walentin Danilow, die im April bzw. November 2004 wegen angeblichen Verrats von Staatsgeheimnissen, zu denen sie keinen
Zugang haben konnten, zu 15 bzw. 14 Jahren verschärftem Straflager verurteilt wurden, sobald wie möglich freigelassen werden?"

Nein, Sie haben sich nicht getäuscht: Das ist  e i n  Satz mit 191 Wörtern. Er weist den bisherigen cleartext-Primus mit 108 Wörtern locker in die Schranken. Der neue Rekordhalter stammt aus einer Bundestags-Anfrage der Grünen. Wie hätten Sie die Sache formuliert? - Meine Version stelle ich Ihnen im Januar vor.



Die Wunschbox

Haben Sie einen Text, bei dem Sie sagen: Er ist noch nicht so, wie ich ihn mir wünsche. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt? Schicken Sie mir diesen Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken?

Schicken Sie das Ganze per E-Mail an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" - oder an cleartext, Oranienburger Straße 33 in 10117 Berlin. Ich stelle Ihren Text hier in der Wunschbox vor - ohne Namensnennung und gerne auch anonymisiert. Und ich stelle Ihnen meine Alternativversion dazu. Je kürzer Ihr Text ist, desto besser: bitte maximal eine halbe DIN-A-4-Seite.


zurück zur Übersicht
zwischenlinie
randlinie